Cookinesi wurde für zwei Tage ins Hotel Kulm Arosa eingeladen. Versprochen wurden uns Erholung im Spa, spannende Wanderrouten und vor allem: Essen auf Top-Niveau. Ob unsere Erwartungen erfüllt wurden und warum ich kurzzeitig in Todesangst schwebte, gibt’s im Blog zu lesen.

Nach den über 300 Kurven von Chur hinauf nach Arosa waren wir froh, unseren durchgewirbelten Magen endlich am Ziel zu wissen. Das Hotel hatte uns eingeladen, die Vorzüge des Kulm kennen zu lernen, besonders vom 14 Gault-Millau Restaurant würden wir begeistert sein. Meine Antwort: Ich komme – werde aber danach ganz ehrlich meine Meinung wiedergeben. Gault-Millau und Schickimicki heisst für mich nämlich nicht unbedingt totale Begeisterung. Das Hotel war einverstanden.

AUSSTATTUNG
Das Hotel hat 119 Zimmer und Suiten, beherbergt die älteste Bar Arosas, verschiedene Restaurants, mehrere Tagungsräume, einen begehbaren Weinkeller, Wellnesseinrichtungen, eine gratis Skischule für Kids und einen Minigolfplatz direkt vor der Tür.

SPA
In der Gallery seht Ihr Details zu den Zimmern und wie sie uns gefallen haben, vom Spa habe ich keine Fotos gemacht, die Cam hätte der Feuchtigkeit wohl nicht Stand gehalten. Die Spa-Zone ist nicht riesig, bietet aber alles Nötige: Verschiedene Saunen, Dampfbad, Sprudelbad, gemütliche Erholungsräume. Kleiner Tipp: Wenn möglich versuchen die Hochsaison zu umgehen, so hat man auch im Wellnessbereich schön seine Ruhe.

PANIK BEIM WANDERN
Ich empfehle in der entsprechenden Saison unbedingt wandern zu gehen! Die Wanderrouten rund um Arosa sind vielseitig und einfach traumhaft! Ich und meine Freundin Rahel sind erfahrene Wandervögel und haben deshalb eine lange und recht beschwerliche ca. siebenstündige Route bis hinauf auf fast 3000 Meter gewählt. Beim nächsten Mal werde ich mich jedoch definitiv besser über die Gegebenheiten informieren: Die Sommersaison hatte nämlich erst seit zwei Tagen begonnen, oben auf dem Grat mussten wir plötzlich durch mehrere Schneefelder stapfen. Plötzlich standen wir vor einem steil abfallenden Schneefeld, das uns den kompletten Weg versperrte. Die erste Hälfte hatte ich schon hinter mir, als mir plötzlich der kalte Panik-Schweiss ausbrach. Wie eine junge Katze an einem Baum klammerte ich mich mit Händen und Füssen am Hang fest und sah mich schon abrutschen. Irgendwie schaffte ich es auf die andere Seite – ich hatte ja keine andere Wahl als irgendwann weiter zu kraxeln, aber ich hatte wirklich riesengrosse Angst!
Mir gingen Bilder von den vielen Menschen durch den Kopf, die jedes Jahr in den Bergen abstürzen, weil sie schlecht ausgerüstet sind, oder das Gebirge unterschätzen – also, gut informieren bevor Ihr jemals den gleichen Seich macht. Auch wenn das nichts mit dem Hotel zu tun hat, war mir diese Warnung wichtig.

FOOD
Zu den Restaurants: Am ersten Abend haben wir im Thai Restaurant Ahaan Thai diniert. Küchenchef Pairat und sein Team haben sich 13 Gault-Millau Punkte und eine Erwähnung als «Bib Gourmand Restaurant» im Guide Michelin erkocht. Das Essen war wunderbar, wirklich schmackhafte Curries und weitere Spezialitäten aus dem Land des Lächelns wurden serviert. Sommelier Reto Hofmann nahm uns mit in den begehbaren Weinschrank, wo er es wie durch Zauberhand schaffte irgendwie herauszufinden, welches der absolut perfekte Weisswein für uns war. Ob es in einem Schweizer Berghotel jedoch wirklich ein asiatisches Restaurant braucht sei dahingestellt. Ich persönlich müsste auf fast 2000 Metern über Meer nicht unbedingt exotisch essen.

MUNTANELLA-RESTAURANT – DAS HIGHLIGHT!
Am nächsten Tag war ein Tisch für uns im 14-Gault Millau Punkte Restaurant «Muntanella» reserviert. Meine Erwartungen waren nicht riesig, da ich von Haut Cuisine bisher oft enttäuscht wurde. Ich mag nicht zu viel «Schischi» auf dem Teller, ich möchte sehen und schmecken was ich effektiv esse und keine Rüebli auf dem Teller haben, die nach Kartoffel aussehen und nach Schokolade schmecken.
Die Aussicht war schonmal grandios – wir sassen im Freien auf Schaffellen am edel gedeckten Tisch, blickten auf das imposante Bergpanorama und verköstigten den schweren Rotwein, den Herr Hofmann wieder für uns ausgewählt hatte. Von Minute zu Minute entfaltete der sich mehr, wurde mit der Zeit ein wahres Gedicht und rundete die acht Gänge auf eine Art ab, wie ich es noch selten erlebt habe. Chef Pascal Kleber hat vom Apéro übers Amouse-Bouche bis zum Dessert begeistert! Es muss eine unglaubliche Arbeit sein: Alle zwei Wochen ändert die Karte komplett – wie man es schafft, so viele wunderbare Erlebnisse auf einem einzigen Teller zu schaffen… der Kleber ist ein absoluter Künstler und ich habe zum ersten Mal erlebt (das mag sich vielleicht etwas schräg anhören), dass ich von einem Essen richtiggehend berührt war. Die Kulisse, die Optik der Gerichte, die Liebe zum Detail, das Gaumenerlebnis, das vom Wein komplettiert wurde wurde… Es war wirklich zum Ausflippen und wenn ich das nächste Mal in Arosa bin, esse ich am ersten Abend 100%-ig im «Muntanella». Übrigens ist der 8-Gänger mit 95.- preislich absolut okay wie ich finde.

FAZIT
In dieses Haus kommen ganz viele Menschen nicht ohne Grund seit 20, 30 Jahren. Die portugiesische Servicekraft Maria erzählte, dass sie seit fast 20 Jahren im Kulm arbeite… Das Traditionshaus strahlt unglaublich viel Gastfreundschaft und Wärme aus, das Essen ist tatsächlich 1A (übrigens war das Frühstück zwar gut, aber nichts Super-Spezielles. Ich finde zum Beispiel, dass man in einem 5* Hotel frisch gepressten Orangensaft erwarten darf. Das ist zwar ein Detail, aber mir persönlich wichtig).

Ins Kulm kommt wer Wert auf persönlichen Kontakt, Service, eine erholsame Umgebung und gutes Essen setzt. Wir haben zwei traumhafte Tage hier verbringen dürfen.

arosakulm.ch