Das Gefühl kennen heutzutage viele Menschen: Man ist innerlich unruhig, ständig angespannt, gleichzeitig jedoch müde und hat Mühe sich zu konzentrieren. Auch wenn ich meinen Job liebe und mit niemandem auf der Welt tauschen möchte, arbeite ich gerade enorm viel und fühlte mich in letzter Zeit wie beschrieben.

Als ich die Einladung des Giardino Ascona für einen Kurz-Retreat im Rahmen ihres Ayurveda-Programms erhielt, freute ich mich enorm!. Nicht nur fühlte ich mich unter Dauerstress was die Arbeit anbelangt, auch privat war gerade sehr viel passiert, somit war dies der perfekte Zeitpunkt um drei Tage Abstand von der Welt zu gewinnen.

Ayurveda – Das «Wissen vom Leben»
Ayurveda kennt man im Westen vor allem im Zusammenhang mit Wellness, dabei gehört die Lehre in Asien als wissenschaftliche Heilmethode zur Sparte der Alternativmedizin.
Übersetzt wird das ganzheitliche Ayurveda-System sinngemäss als «Das Wissen vom Leben». Es behandelt nicht nur den Körper, sondern setzt sich auch mit dem mentalen, spirituellen und emotionalen Gleichgewicht der Menschen auseinander.

Das System ist sehr komplex, oberflächlich erklärt geht es darum, die drei sogenannten «Doshas» in Einklang zu bringen: Vata (Wind, Luft und Äther), Pitta (Feuer und Wasser) und Kapha (Erde und Wasser) sind die drei Grundelemente, die wir laut Ayurveda in uns tragen. Zu viel oder zu wenig eines Dosha (aus dem Sanskrit übersetzt «das was Probleme verursachen kann»), bringt uns ins Ungleichgewicht.

3 Tage Ayurveda in Ascona – Zeit, nach innen zu schauen
Die Kur beginnt eigentlich schon bei der Ankunft. Ich war schon mehrmals im Giardino Ascona (das erste Mal während der Miss Schweiz Wahl 2005, lange ists her… ) und natürlich ist das 5*Haus einfach top – die wunderschöne Anlage, die erstklassigen Restaurants, das Spa und der traumhafte Garten machen das Hotel zu einer der besten Adressen der Schweiz. Den grössten Faktor aber  machen die Menschen dort aus. Schon bei der Ankunft wird man so herzlich begrüsst, dass man sich sofort wohl und zu Hause fühlt und man merkt, dass die Leute gerne dort arbeiten, denn ihr Lächeln erstirbt nicht, sobald sie sich umdrehen. Jeder spricht Dich mit Namen an, sie erinnern sich an Deine Vorlieben und von der Spa-Managerin bis zum Restaurantpersonal spürt man einfach eine schöne, ehrliche Herzlichkeit.

Die Kur – wie funktioniert’s?
Am Anfang steht die sogenannte Anamnese
bei Frau Luise Pfluger, einer Institution in Sachen Ayurveda in der Schweiz. Während eineinhalb Stunden haben wir uns über meine Bedürfnisse unterhalten: wie ich mich fühle, was ich mir vom Aufenthalt und vom Leben wünsche und was ich allgemein für ein Mensch bin. Sie hat meinen Puls analysiert, meine Zunge begutachtet und viele Fragen gestellt.

Anhand ihrer Expertise wurde dann ein Programm individuell auf mich zugeschnitten. Dazu gehörten Massagen, Yoga- und Meditations-Sessions und für mich natürlich besonders spannend: Mahlzeiten, die auf Haute Cuisine Niveau nach Ayurveda-Prinzipien extra für mich gekocht wurden (man stelle sich mal diesen Aufwand vor, wenn 15 verschiedene Ayurveda-Gäste im Hotel sind!!).
Gäste, die hier in die Kur kommen, können im Vorfeld verschiedenen Packages für eine Dauer zwischen 3 und 21 Tagen buchen. Wenn man dringend eine Auszeit nötig hat, empfehle ich schon mindestens vier Nächte zu bleiben, damit man eine Veränderung auch wirklich spüren kann. Perfekt fände ich persönlich so etwa eine Woche, zudem würde ich allein gehen, so kann man sich am besten auf sich selbst konzentrieren. Das Programm sorgt dafür, dass man sich nicht einsam fühlt, da ja täglich Behandlungen und Sessions auf dem Plan stehen.

Das Essen – Zu viel «Pitta» & «Vata»
Bei meiner Anamnese stellte Frau Pfluger fest, dass zu viel «Pitta» und «Vata» in mir schlummern. Vereinfacht erklärt, lodert zum Beispiel sehr viel Feuer in mir, das es auszugleichen gilt, weil es mich unruhig und macht und Stress verstärkt. Unter Anderem sollte ich warme Lebensmittel zu mir nehmen, die wiederum kühlend wirken. Ein Beispiel dafür ist warmer Pfefferminztee. In der Wüste trinken die Beduinen ihn, weil Pfeffernminz-Blätter eine kühlende Wirkung auf den Körper haben. Ingwerwasser wäre genau das Gegenteil – es wird zwar kalt getrunken, der Körper wird vom Ingwer jedoch aufgeheizt.
Was ich vorher schon wusste, bestätigte mir Frau Pfluger nochmals: Ich trinke definitiv zu viel Kaffee und auch zu viel Wein – beide Getränke haben eine austrocknende und säurebildende Wirkung. Zum Ausgleich sollte ich viel mit Öl in Form von Ghee (geklärte Butter) oder Kokosöl kochen, was nicht nur eine schmierende, sondern auch wieder eine kühlende Wirkung hat. Dies sind wie erwähnt nur kleine Beispiele. Die auyrvedische Küche ist komplex und somit muss auch jeder Koch des Giardino eine Ayurveda-Ausbildung absolvieren.

Die Massagen – was passiert da mit mir!?
Ich muss vorausschicken, dass ich ayurvedische Massagen immer gewöhnungsbedürftig fand. Bereits in Sri Lanka und auch einmal in der Schweiz habe ich als Massage-Junkie solche ausprobiert und empfand sie im Gegensatz zu Thai- oder westlichen Massagen als eher unangenehm, weil so viel Öl mit im Spiel war. Die hygienischen Bedingungen müssen sehr hoch sein, damit sich die Behandlung nicht schmuddelig anfühlt. (ölgetränkte Tücher kann man noch so oft waschen, sie bleiben einfach speckig, kein schönes Gefühl).
Im Giardino war das zum Glück anders, denn die Liege ist mit einem Spezialüberzug versehen, der nach jeder Behandlung so gereinigt wird, dass er wie neu aussieht.
Ich hatte das Glück, von Luise Pfluger persönlich massiert zu werden und fand es einfach unglaublich! Zeitweise war ich wie in einer anderen Welt, ich hätte Stunden dort liegen können. Von den Zehenspitzen bis zu den Haarwurzeln und den Ohrläppchen wird der gesamte Körper mit einbezogen und auch hier werden Öle und Hilfsmittel (wie in meinem Fall eine Art kühlend wirkende Metallkugel) auf jeden Gast individuell abgestimmt. Auch wenn man keine ganze Ayurveda-Kur bucht, solch eine Session sollte man sich unbedingt einmal gönnen!

Was für Menschen machen Ayurveda-Kuren?
Hierher kommen gestresste Manager, die sich nah am Burnout bewegen und neue Energie tanken möchten, Schmerzpatienten oder Allergiker, bei denen die Schulmedizin buchstäblich mit ihrem Latein am Ende ist oder auch Mamas, die ganz einfach mal eine Auszeit brauchen und sich den Aufenthalt gönnen, um ihre Batterien wieder aufzuladen.

Im Giardino hört man immer wieder Erfolgsgeschichten. Wie die einer älteren Dame, die seit langer Zeit starke Schmerzen in den Gelenken verspürte und bei der Kortison & Co. nicht die gewünschten Ergebnisse gebracht hatten. Bereits nach vier Tagen Ayurveda spürte sie eine Veränderung und nach zwei Wochen verliess sie Ascona schmerzfrei, die grössten Ergebnisse wurden scheinbar mit einer Ernährungsumstellung erzielt.
Auch die Geschichte einer Abiturientin kam mir zu Ohren. Sie soll solch eine Prüfungsangst gehabt haben, dass sie sich einfach nicht auf ihren Lernstoff konzentrieren konnte. Mithilfe von Stirngüssen und weiteren Behandlungen fand sie zu ihrer Mitte zurück, konnte sich nach dem Aufenthalt wieder viel besser konzentrieren und bestand den Abschluss problemlos. Als ich die Ayurveda-Experten im Giardino zu den Erfolgsgeschichten befragte, war ihnen die Freude darüber anzusehen.
Ich möchte hier auf keinen Fall den Eindruck erwecken, dass ich eine solche Kur für eine Art Wundermittel halte, ich denke aber schon, dass man sehr viel damit erzielen kann, eben gerade weil auch der Geist und die Seele mit einbezogen werden.

Fazit
Bevor man das Giardino verlässt, sitzt man nochmals mit Frau Pfluger für ein Abschlussgespräch zusammen. Sie gibt einem Informationen mit, wie man das Gelernte zu Hause weiterführen kann: Von Infos zur Ernährung bis zu Tipps, was einem mental und seelisch gut tut. So kann man sich herauspicken, was man weiterführen möchte und die Ayurveda-Reise endet nicht mit dem Check-Out an der Reception.

Für mich waren diese drei Tage zwar sehr schön, aber auch nicht ganz einfach. Gerade wenn einen seelisch vieles belastet, kann es schwierig sein nach innen zu schauen. Die Yoga-Sessions am Morgen und vor allem die Meditation am Abend waren eine echte Herausforderung für mich. Natürlich hätte ich nicht mitmachen müssen, es ist ja alles freiwillig, aber ich sagte mir, dass ich ja genau deswegen gekommen war und kämpfte mich durch. Nach den jeweiligen Stunden fühlte ich mich wirklich ausgeglichener und innerlich ruhiger. Dazu muss man aber natürlich bereit sein. Auf Ayurveda muss man sich einlassen können. Wenn man dies schafft, bin ich sicher, dass sich eine positive Veränderung einstellen wird, die man nach Hause mitnimmt.

Wer mehr Infos wünscht, findet diese unter: ayurvedabygiardino.ch

 

-Kollaboration-

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